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Fasching

Fasching

Die Zeit des Faschings ist nun schon fast vorbei. Für manche Damen waren diese Wochen besonders aufregend und sie warteten sehnsüchtig darauf. Warum?


Die vom Heilige-Drei-Königs-Fest bis zum Aschermittwoch dauernde Zeit des Faschings war wohl für viele Damen die aufregendste des Jahres.
Die Traditionen entwickelten sich, als es noch keine „sozialen Netzwerke” oder Internet-Partnervermittlungen gab. So hatten die armen Damen fast die einzige Chance bei Maskenbällen, während der „fünften Jahreszeit”, den richtigen Mann zu finden. Für ledige Damen und Herren waren diese Bälle in vergangenen Zeiten wahrscheinlich die einzige gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit einander zu nähern. Trotz allem wurden strenge Vorschriften im Umgang der Geschlechter kaum außer Kraft gesetzt.
So ist es leicht zu verstehen, dass sich die Damen schon in den Wochen zuvor mit der Zusammenstellung ihrer Garderobe, Schmuck und Frisur für die Bälle beschäftigt haben und sie sich darauf fieberhaft vorbereitet haben.
Es gab keinen Mangel sich den passenden Ball auszuwählen. Schon am Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Faschingsbälle in Ungarn veranstaltet. Sie sind sehr schnell populär geworden. Nichts Anderes zeigt das klarer als die Anzahl der Ballsäle, die im Jahr 1797 noch etwa auf 600 betragen haben und ca. drei Jahre später schon 800!
Hauptereignisse der Bälle waren natürlich die Tänze und die Auswahl an einem Abend war vielfältig. Der Wiener Walzer, die böhmische Polka und die polnische Mazurka erfreuten sich großer Beliebtheit. Der sehr volkstümliche ungarische Csárdás kam allerdings erst ab 1840 auf das Repertoire der Bälle.
Dieses Jahr war aber noch ein denkwürdiges in der Geschichte der Bälle, denn ein Pariser Astronom hatte eben für 1840 den Weltuntergang prophezeit.
Ob alle es damals ernst genommen haben, wissen wir nicht. Sicher aber die Modeateliers der französischen Hauptstadt, denn die neuesten und modischen Ball-Kleider wurden - obwohl bestellt - weder nach Pest noch nach Buda geschickt.
Wir können uns vorstellen, was für katastrophale Auswirkungen der Aberglauben der Pariser Haute Couture auf die ungarische Damenwelt hatte – die Ball-Kleider des letzten Jahres mussten es noch einmal tun – welche Blamage.
Besonders wichtig und interessant war stets der erste Ball für die jungen Damen. An ihren Kleidern konnte man schon bemerken, dass sie Neulinge waren. Weiße Tüll- oder Musselin-Kleider als Ausdruck der Unschuld mit wenig Schmuck wiesen sie als Debütantinnen aus. Ältere und in jedem Fall die verheirateten Damen kleideten sich farbenfreudiger und prächtiger. Auch bei Schmuck wurde nicht gespart.
Die Veranstaltung der Bälle lag im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Händen des Hochadels. Mit der Erstarkung des Bürgertums waren es immer mehr andere gesellschaftliche Schichten, wie Gewerbe-Vereine, Berufsgruppen der Juristen oder der Ärzte, Handwerker-Zünfte oder auch einzelne Menschen, die solche Ereignisse mit Leben erfüllten. Der Maskenball der „Alleinstehenden Männer“, alle natürlich mehr oder wenige wohlhabend, war der „Renner“ bei den jungen Damen. Heute gehen wir zum „Speed-Dating“ oder posten unsere Profile bei „Parship“– die Zeiten sind irgendwie gleich geblieben.
Die vornehmsten und elegantesten Bälle waren natürlich die Hofbälle, an denen nur durch den König ausgewählte und eingeladene Adelsfamilien teilnehmen durften. Nach der Krönung von Franz Josef im Jahr 1867 wurden Hofbälle auch in Pest und Buda veranstaltet.
In der Monarchie legte man auf die Unterhaltung der Gäste großen Wert, der Tanz stand im Mittelpunkt und nicht zuletzt war es sehr wichtig für die ledigen Frauen, den richtigen Mann zu finden. Dies sind auch die wichtigsten Unterschiede zu den höfischen Maskenbällen im westlichen Europa, die in hohem Maße der Selbstdarstellung dienten oder einen Wohltätigkeits-Charakter hatten.
Noch ein wichtiges Detail zum Schluss: Die Tanzkarte – sie war eines der wichtigsten Begleitstücke der Damen. Hierauf wurde von der holden Weiblichkeit vermerkt, welchen Tanz sie mit welchem Herren absolvieren wird. Meist am Kleid angehängt getragen war es der ultimative Plan für den Abend. Wenn eine Dame mit einem Herrn nicht tanzen wollte, dann konnte sie ihn höflich ablehnen: „Meine Tanzkarte ist schon voll.“ Natürlich hat ein echter Gentleman nicht überprüft, ob die Dame die Wahrheit sagte...
Die Tanzkarten haben eine große Karriere in Ungarn gemacht. Sie wurden bereits in der Mitte des 19.Jahrhunderts eingeführt und damals noch sehr einfach gestaltet. Mit der Zeit sind sie zu wahren Prachtstücken und oft und reich verzierten Meisterwerken geworden.
Vielleicht bringen Sie, lieber Leser, Ihrer Dame des Herzen einmal eine Tanzkarte mit und füllen sie auch gleich selbst noch aus – vielleicht kommt es im Fasching zum „Happy End“.
Viel Erfolg und ebensolchen Spaß im Fasching und nun:

Darf ich bitten ....?
                       
Ihre Elisabeth Balázs


Budapest, 11.02.2015