Reisen in Ungarn - Ungarn Urlaub mit Spaß

Frau Balazs geht individuell auf die Interessen einer Reisgruppe ein. Gemeinsam wurde mit ihr die Trainingszentrale...

mehr->

Ungarn Urlaub
Startseite
AusflügeKontakt
Anfrage
Ihr Reiseführer in Budapest
und Ungarn
Referenzen

Ungarn News

Warum feiern wir Silvester?

Warum feiern wir Silvester?Silvester, der 31. Dezember wird weltweit laut gefeiert, es wird geböllert und geknallt.  Warum? Warum steht das Narrenwesen im Mittelpunkt? Was haben die Schalttage damit und mit Silvester zu tun? Und wie kommen hier die Azteken und die Römer ins Spiel?


Warum wird Silvester geknallt?

Hätten Sie gedacht, liebe Leser, dass die Wurzeln der heutigen lauten Böllerei, Knallerei und Narrheit zu Silvester bei den Azteken und Römern zu suchend sind? Was hat dieses Datum mit ihren Kalendern zu tun?
Ja, es ist vielleicht überraschend, aber sie mussten mal mit den Schalttagen etwas anfangen. Letztendlich gab es zwischen dem Mondjahr und Sonnenjahr 11 Tage Unterschied, für die Schalttage eingeführt wurden.
Das Sonnenjahr besteht aus 365 Tagen, das Mondjahr aus 354.
Übrigens macht der Unterscheid von 11 Tagen so viel aus, wie viele Tage gerade zwischen Weihnachten und dem Tag der Heiligen Drei Könige vergehen. Interessant, nicht?
Die Schalttage wurden aber in den früheren Kulturen unterschiedlich bewertet.
Die Azteken hatten nur 5 solche Tage, die sie für unnützlich, leer, überflüssig und unglücklich hielten. Eben darum durfte man an jenen Tagen weder arbeiten noch etwas Ernsthaftes durchführen.  So wurden u.a. keine Urteile an den Gerichten gefällt. Die Kirchen wurden geschlossen.
Man hat eben das Gegenteil getan, was man sonst während der restlichen Zeit des Jahres machte: Narrheiten. Man hat sich ausgetobt und laut gefeiert.  Dadurch können wir sowohl die Sitten mit  lautem Toben und die Narrheiten der alten Römer während der Saturnalien, die das Jahr abgeschlossen haben, erkennen, als auch das Fest der Narren im Mittelalter, welches am Vorabend der Tages der Heiligen Drei Könige gehalten wurde, sowie auch die heutigen Bräuche zu Silvester.

Von dem Schuldbuch bis zum 1. Januar

Den alten Römern zuliebe halten wir nur ganz kurz inne und schauen uns ein bisschen das Wort Kalender an,  weil wir es ihnen zu verdanken haben. Es kommt von dem Wort „Calenda“, das soviel bedeutet, wie Tag der Bekanntmachung bzw. Tag der Verkündigung und Zinsfälligkeit.
Wie hängt das mit unserem Kalender zusammen? Bei den Römern gab es im Monat 3 wichtige Tage. Am ersten Tag des Monats, am Calenda wurde bekanntgemacht, an welchen Tagen der zweitwichtigste Tag des Monats „Nonae“ und der Drittwichtigste, „Idus“ fallen werden.
Das lateinische Wort „calendarium“ bedeutet Schuldbuch. Die Römer mussten die Schulden und Zinsen am 1. Tag des  Monats, am „Calenda“, bezahlen bzw. zurückzahlen.

Übrigens war  der erste Tag des Jahres über eine längere Zeitperiode kein festgelegter Tag in Ungarn. Die landnehmenden Ungarn feierten den Beginn des Jahres oft zum Jahreszeitwechsel, im Frühling oder Herbst. Was ganz einfach und logisch ist.  Sie waren Landwirte, Tierhalter. Eben zum Jahreszeitwechsel und zwar im Frühling haben sie die Tiere auf die Wiesen hinausgetrieben und im Herbst wieder zurück. Darum haben sie den Beginn des Jahres von dem Jahrzeitenwechsel abhängig gemacht.

Bis zum 16. Jh. , ganz genau bis 1587 hat das Neujahr in Ungarn mit Weihnachten angefangen und man hat an jenem Tag Geschenke verteilt und gute Wünsche gewünscht, damit das neue Jahr gut anfängt.
Lange  nannte man das jetzige Neujahr, den 1. Januar „kleine Weihnachten“.  Daraus ist es auch abzuleiten, dass vom 24. bis zum 26. Dezember „große“ Weihnachten waren.
Erst 1582, mit dem Kalenderreform des Papstes XIII. Gregorian ist der 1. Januar zum ersten Tag des Jahres geworden. Danach wurden die Sitten, die bis dahin mit Weihnachten verbunden waren, auf 2 Feiertage verteilt.
Die Übergabe der Geschenke ist bei Weihnachten geblieben und die Äußerung der guten Wünsche für das Neujahr erfolgte am 1. Januar.

Aber feiern wir mit den Narren weiter.
Warum war früher der Tag der Narren eben am Vorabend der Heiligen Drei Könige? Weil Rom, der Papst, damit die katholische Kirche jenen Tag für den letzten Tag der Weihnachtsfestperiode gehalten hat. Danach wurde schon erlaubt, sich auszutoben und zu amüsieren.
Das Ziel der „lauten“ Bräuche zu Silvester ist das Vertreiben des Unglücks, des Bösen, der Krankheiten und gleichzeitig die Sicherung der guten Ernte, des Glücks und der Gesundheit für Menschen, Tiere und Pflanzen.


Warum heisst Silvester Silvester?

Wer ist der Namensgeber des letzten Tages des Jahres? Der Heilige Silvester war  Papst im 4. Jh., der am 31. Dezember gestorben war. Er war der Zeitgenosse von Konstantin  dem Großen, der im Vergleich mit Konstantin eigentlich nichts Wichtiges bewirkt hat.  Konstatin der Große  hatte die Verfolgung der Christen verboten und er hat die Kirche zur ersten Institution des Staates gemacht. Er und nicht Silvester hat angefangen, die Kirchen in Rom aufbauen zu lassen.
Damit Silvester neben Konstantin  nicht zweitrangig bleibt und im Schatten stehen muss, hat die Nachwelt seiner Person Legenden zugeschrieben. Laut einer davon hat er Konstantin den Großen von Lepra geheilt. In Wirklichkeit war es jedoch nicht so.

Welche Bräuche gab es früher in Ungarn zu Silvester und Neujahr?
Aus den zahlreichen Überlieferungen möchte ich nur ein paar hervorheben.
Das alte Jahr wurde häufig in den Kirchen ausgeläutet. Eine Strohpuppe wurde im Boden vergraben oder ins Wasser geworfen. Diese Handlungen symbolisieren die Beerdigung des Winters.
Für das Vertreiben des Bösen und die Sicherung einer reichen und guten Ernte hat man lärmende und krachende Umzüge mit Masken, aber auch mit Christgang organisiert.
Am 1. Tag des Neujahres spielten die glücksbringenden Symbole, wie der Schornsteinfeger, der Glücksklee, das Hufeisen, das Schwein und die Linsen eine bedeutende Rolle.
Der Schornsteinfeger wurde früher, besonders im Winter wegen der häufigen Schornsteinbrände gerne gesehen, da manchmal Ortsteile  oder sogar ganze Siedlungen dem „roten Hahn“ zum Opfer gefallen sind.
Das Glücksklee kann sich seine glückbringende Funktion wahrscheinlich seiner Rarität bedanken.
Das Hufeisen symbolisiert das Vergehen des Jahres.
Das Schwein wühlt das Glück aus dem Boden raus.

Die Linse symbolisiert die Geldmünzen. Damit man davon im folgenden Jahr viel davon hat, ist der jährliche Verbrauch von Linsen eben am 1. Januar  am größten. Man bereitete verschiedene Speisen aus Linsen zu.
Bei den ledigen Frauen war es einst üblich, Blei zu gießen, um den Namen des richtigen Mannes zu erfahren.

Damit wünsche ich Ihnen ein gesundes und frohes Neujahr!

Budapest, 3.1.2016

Elisabeth Balazs

Verwendete Literatur:
Jankovics Marcell: Jelkép-kalendárium, Csokonai Kiadó, 1997
Dömötör Tekla: A népszokások költészete